Das Gedächtnis spielend leicht trainieren

Vieles beim Medizinstudium dreht sich um das Auswendiglernen. Könnten wir uns später nicht an vieles, das wir im Studium lernen erinnern, könnte das zu erheblichen Problemen führen. Das ist auch ein Grund, weshalb ein Medizinstudium so viel länger dauert als ein Studium in einem anderen Bereich. Unser Gedächtnis ist daher noch wichtiger als es bei vielen anderen Studiengängen der Fall ist. Wir nehmen eine enorme Anzahl von Fakten und anderem Wissen auf, ganz besonders während unseres Studiums. Viele Studierende sind deshalb sogar geistig und körperlich erschöpft. Allgemein bekommt jeder 5. Studierende in Deutschland eine psychische Diagnose.

Was kann man dagegen tun? Naja, es hilft zum einen schon mal, sein Gedächtnis zu schulen, damit das Einprägen von Wissen leichter fällt und der Stress vor den Prüfungen abnimmt. Damit man als MedizinstudentIn aber nicht noch mehr Zeit mit dem Aneignen von neuen Dingen verbringt als sowieso schon nötig, gibt es die Möglichkeit, sein Gedächtnis durch Kartenspiele zu schulen.

Spielkarten haben den ungewöhnlichen Vorteil, dass sie sowohl Bilder als auch Zahlen vereinen. Der Gedächtniskünstler Dominic O’Brien, der übrigens die Schule nie beendete und mit 16 Jahren abbrach, kam auf die Idee, sein Gedächtnis zu trainieren als er den Mnemoniker Creighton Carvello im Fernsehen dabei zusah, wie er sich eine Reihe von Karten und dessen Reihenfolge merkte. Er gewann im Laufe seiner aktiven Jahre bis 2001 die Gedächtnisweltmeisterschaft 8 Mal und erhielt die Auszeichnung Grand Master of Memory im Jahr 2005.

Auch wenn O’Brien ganz sicher eine Menge Talent besitzt, kann jeder sein Gedächtnis trainieren. Er selbst führt seinem Erfolg übrigens ausschließlich besonders harter Arbeit und der richtigen Trainingsmethode zu. Das erzählte er 1997 auch dem Spiegel: „Das Hirn ist wie ein Muskel, der sich trainieren läßt“. O’Brien arbeitet dabei mit Bildassoziation. „Je bizarrer” dabei die Assoziationen sind, “desto einfacher lassen sie sich merken“, erzählt er.

Kartenspiele, durch die das Gedächtnis verbessert werden kann

Bridge

Bridge wird sogar nachgesagt, dass es das Immunsystem verbessern kann, da Bridge einen Teil des Gehirns aktiviert, der für das Immunsystem verantwortlich ist. Einer Studie zufolgeverbesserte sich die Anzahl der weißen Blutkörperchen, nachdem 12 Frauen 1,5 Stunden lang Bridge gespielt hatten. Beim Bridge darf nichts aufgeschrieben werden. Es ist Teil des Spiels, sich an den Ablauf zu erinnern. Die professionelle Bridge-Spielerin Heather Dhondy spricht von der Bedeutung, die ein gutes Gedächtnis beim Bridge hat. Um sich den Ablauf beim Spiel zu merken, lässt sie sich auch Zeit. Bleibt sie einmal stecken, nimmt sie sich die Zeit, die sie braucht, um sich wieder zu erinnern. Schließlich bewirkt Stress genau das Gegenteil, wenn man versucht sich etwas zu merken. Mit ihrer Strategie konnte Dhondy bereits 7 internationale Titel holen, 5 davon bei der europäischen Meisterschaft und 2 in Olympia (!).

Blackjack

Blackjack ist eines der beliebtesten Kartenspiele, wohl aus dem Grund, weil es so einfach zu erlernen ist und weil das einfache Konzept rund um die Nummer 21 vielen Spaß macht. Blackjack kann zu einer Verbesserung der analytischen Fähigkeiten führen und das strategische Denken verbessern. Auch Mathekenntnisse können verbessert werden, auch wenn meist nicht viel Mathe im Spiel angewendet wird. Meistens wird Mathe nur eingesetzt, um die besten Optionen zu berechnen, die für den Spieler bei den verschiedenen Strategien, die es bei Blackjack gibt, hilfreich sein können. Das Rush University Medical Center in Chicago führte 2012 eine Studie durch, bei der verschiedene Spiele, durch die das Gehirn geschult wird, die Fähigkeiten des Gehirns bis ins Alter verbesserte. Die Teilnehmer wurden sogar als intelligenter befunden. Blackjack eignet sich perfekt als Hirntraining, auch da das Spiel schnell abläuft und anregend wirkt. So ist Langweile meist kein Thema.

Solitaire

Wer gerade keine SpielpartnerInnen in der Nähe hat oder nur eine kurze Pause beim Lernen einlegen möchte, kann sich auch einem Solitaire-Spiel widmen. Das Spiel aus dem 18. Jahrhundert kann nicht nur entspannen, da die Aufmerksamkeit vom Lernen und dem Alltagsstress genommen wird, sondern auch zu mehr Selbstbewußtsein führen, da es unglaublich befriedigend sein kann, ein Solitaire-Spiel zu gewinnen (ich spreche aus Erfahrung.) Entspannung und Spaß sind für das Aufnehmen von Informationen unheimlich wichtig. Dabei spielen die sogenannten Alpha-Frequenzen eine wichtige Rolle. Das sind Ströme im Gehirn, die aktiviert werden, wenn wir uns in einem entspannten Zustand befinden. Laut Studien und Untersuchungen lassen sich Informationen am besten aufnehmen, wenn wir uns in diesem Zustand befinden. Also ist Entspannung für das Lernen und Merken von Tatsachen wichtig.

Kartenspiele sind übrigens nicht nur für das Studium nützlich. Recherche hat ergeben, dass Menschen über 65, die häufig Kartenspiele spielen, weniger an Demenz erkranken als diejenigen, die das nicht tun. Auch für Demenzkranke sind Kartenspiele eine spielerische Art, um das Gedächtnis zu trainieren. Sie sollten aber mit dem Spielen nicht überfordert werden. Es gibt viele verschiedene effektive Methoden, um zu lernen. Das Kartenspiel kann eine spielerische Option sein, um nicht nur sein Gedächtnis zu trainieren, sondern auch um sich zwischendurch zu entspannen.

Bilder: Pixabay.com

One Reply to “Das Gedächtnis spielend leicht trainieren”

  1. Und ich hab meine Oma immer ein bisschen belächelt, wenn sie gesagt hat Bridge wäre gut für’s Gehirn. Hatte sie wohl doch recht 🙂

    Ahoi
    Alex

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