Neuer Boom der Geschlechtskrankheiten in Deutschland

Jahrelang wurden Syphilis, Chlamydien, Tripper und Co. erfolgreich eingedämmt in Deutschland. Doch das Robert-Koch-Insitut und die Deutsche Gesellschaft für sexuell übertragbare Krankheiten (DSTIG) schlagen nun Alarm. Die Neuinfektionsrate für Lues, wie Syphilis auch genannt wird, beispielsweise stieg 2012 um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 4410 Fälle. An Papillomaviren, die den gefährlichen Gebährmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) auslösen können, erkrankten 80.000 Deutsche und mit Chlamydien infizierten sich 2012 sogar 100.000 Menschen.

Die Zahlen betreffen laut Statistiken hauptsächlich die unter 30jährigen, die sich in der sexuellen Findungsphase befinden. Es scheint also, als würde das Thema Verhütung, beispielsweise durch Kondome, nicht mehr ganz so ernst genommen werden. Ein Grund dafür könnte sein, dass den meisten leider nicht bewusst ist, dass es noch einige andere bösartige Geschlechtskrankheiten außer HIV gibt. Immerhin die Zahl für Neuinfektionen mit dem AIDS-auslösenden Virus bleibt nämlich seit Jahren konstant bei circa 3000 pro Jahr. Nach dem Rückgang der sexuell übertragbaren Krankheiten (englisch: sexuelly transmitted diseases, kurz STD) seit den Achzigerjahren droht der Bundesrepublik Deutschland nun also eventuell ein Comeback dieser Erkrankungen.

Lues, Chlamydien und Gonorrhoe können schwerwiegende Folgen haben

Dabei sind es gerade diese Krankheitserreger, die in vergangenen Jahrhunderten auch in Europa immer wieder für Epidemien sorgten und in ärmeren Teilen der Welt auch heute noch eine große Rolle spielen. Die Symptomatik ist dabei stets unangenehm. Die Erreger der Tripper-Infektion, die Neiserria gonorrhoeae (Synonym Gonokokken), können bei Frauen eine Zervizitis, Urethritis oder sogar Salpingitis auslösen. Neben hohem Fieber, Übelkeit und Erbrechen kann es bei Männern auch zu eintrigem Ausfluss aus der Harnröhre kommen. Chlamydien können die Lymphogranuloma venerum hervorrufen, die Papeln und Vesikel ausbildet und mit einer schmerzhaften Lymphknotenvergrößerung einhergehen kann, die später dann verbacken und einschmelzen können.

Kondome schützen nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor vielen GeschlechtskrankheitenNoch gefährlicher ist die Syphilis. Die durch Treponema pallidum ausgelöste Krankheit kann sich in bis zu 4 Stadien aufteilen, bevor sie zum Tode führt. Ungefähr 3 Wochen nach der Infektion kommt es zum schmerzlosen Ulcus durum („harter Schanker“) am Infektionsort. 9-24 Wochen nach dem Erregerkontakt kommt es dann unter anderem zu schmerzhaften Lymphknotenschwellungen, Kopf- und Gliederschmerzen, nässenden Papeln und Hörminderung. 6 Monate bis 10 Jahre nach dem Primäraffekt kann es dann zu zur luischen Mesaortitis kommen, die thorakale Aortenaneurysmata hervorrufen kann. Ebenfalls kann es im Tertiärstadium zu einer Menigitis kommen. Im letzten und damit chronischen Stadium manifestiert sich die Lues dann zerebrospinal mit psychischen Symptomen, Paralysen, Demenz, Tabes dorsalis („Rückenmarksschwund“) oder auch Spontanfrakturen.

Aufgrund der Schwere der Syphilis ist sie neben der HIV-Infektion die einzige STD, die in Deutschland noch meldepflichtig ist.

Aktuelle Prostitutionsdebatte hat wenig Einfluss

Kritiker bemängeln die derzeit von Alice Schwarzer herbeigeführte Debatte über Prostitution. Diese hatte in einer Petition darum geworben, Prostitution in Deutschland gänzlich zu verbieten. Dies könnte aber zumindest die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten eher noch anfachen, da sich das Angebot dann eventuell immer weiter in illegale Gefilde verlagert und es so zu weiteren Neuinfektionen kommen könnte.

Experten sehen in der Aufklärung und Vorbeugung die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten. Man ist sich einig, dass Jugendliche rechtzeitig über Kondomeinsatz nicht nur als Schwangerschafts-, sondern auch als Krankheitsverhütung aufgeklärt werden müssen. Projekte wie dem von Medizinstudenten hervorgebrachten „Mit Sicherheit verliebt“ wird dabei die meiste Wirkung zugeschrieben.

Wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist, gibt es einige wirkungsvolle Medikamente wie zum Beispiel Metronidazol (http://www.sanix24.com/metronidazol.php).