Studienplatzklage im Fach Medizin – hilft nur noch ein Anwalt weiter?

Die Medizin-Hochschulen sind mit ihren Kapazitäten am Limit. Seit 5 Jahren ist die Zahl der Bewerber für den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang Humanmedizin ähnlich hoch. Das Angebot an verfügbaren Studienplätzen (siehe Tabelle) stagniert. Wenn sich daran nichts gravierend ändert, wird die Situation vermutlich in näherer Zukunft gleich bleiben.

Tabelle: Freie Studienplätze und Bewerber der Sommersemester 2014-2018

Studienbeginn Zu vergebende Studienplätze Bewerber
Sommersemester 14 1.659 19.114
Sommersemester 15 1.642 19.190
Sommersemester 16 1.654 18.835
Sommersemester 17 1.627 18.799
Sommersemester 18 1.678 19.704

Im Sommersemester 2018 wurde sogar ein neuer Höchststand bei der Nachfrage verzeichnet. 19.704 Hochschulberechtigte haben sich auf die gerade einmal 1.678 freien Plätze beworben. Auf jeden Studienanfänger kommen insgesamt elf Personen, die von den Medizinhochschulen abgelehnt werden. Doch welche Möglichkeiten haben die ungefähr 18.000 Interessenten, deren Bewerbung nicht erfolgreich war? Wie erfolgversprechend ist ein gerichtliches Vorgehen gegen die Absage einer Universität und wie läuft so eine Klage ab? Gibt es Alternativen, wenn man keinen Rechtsstreit möchte oder sich die Anwaltskosten nicht leisten kann?

Wie läuft eine Studienplatzklage ab?

Ist die Bewerbung nicht erfolgreich, wird nicht die Absage an sich infrage gestellt, sondern die von der Hochschule errechneten verfügbaren Plätze. Um Kosten zu sparen und Formfehler zu vermeiden, sollte man einen Juristen beauftragen, der bereits mit Studienplatzklagen Erfahrungen gesammelt hat. In einem Beratungsgespräch kann bereits im Vorfeld geklärt werden, welche Strategie im individuellen Fall sinnvoll ist. Der konsultierte Anwalt lässt im Namen des Klägers die Kapazitäten einer Hochschule prüfen. Das zuständige Verwaltungs- oder Amtsgericht entscheidet dann, wie viele Erstsemester-Studenten eine Universität wirklich aufnehmen kann. Auf diesem Weg kann gerichtlich bestimmt werden, dass eine Hochschule zusätzliche Studenten aufnehmen muss. Im Zuge eines Vergleichs entstehen sogenannte außerkapazitäre Studienplätze. Diese „neu geschaffenen“ Ausbildungsplätze werden unter den Klägern per Los oder anhand eines Leistungstests vergeben. Führt dies nicht zum Erfolg, ist ein Studienbeginn an dieser Universität in diesem Semester nicht mehr möglich. Allerdings kann jede andere medizinische Hochschule nach demselben Prinzip verklagt werden. Alternativ ist eine Bewerbung im Folgesemester möglich. Erhält man eine Zusage für einen bestimmten Standort, ist ein Ortswechsel in der Regel nicht mehr möglich.

Gleiche Bildungschancen für alle?

Artikel 12 des Grundgesetzes ist das rechtliche Standbein jeder Studienplatzklage. Dieser besagt, dass alle Bundesbürger ihre Ausbildungsstätte frei wählen können. Durch die vergleichbar geringen Kapazitäten wird dieser Grundsatz jedoch eingeschränkt. Mit einer Studienplatzklage erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man sich gegen die hohe Konkurrenz durchsetzen kann. Man könnte ohne juristischen Beistand ebenfalls gegen eine Absage klagen, allerdings steigt dadurch das Risiko eines Formfehlers. Dazu zählen beispielsweise nicht eingehaltene Klagefristen. Man kann sich einen Studienplatz zwar nicht direkt erkaufen, die Chancen auf eine Zusage erhöhen sich dennoch mit den investierten finanziellen Mitteln. Pro Gerichtsverfahren kann mit Kosten von 500 bis 1000 Euro gerechnet werden. Eine Erfolgsgarantie für ein gerichtliches Verfahren gibt es aber nicht.

Alternativen zur Studienplatzklage

Mit einer Studienplatzklage kann man häufig schneller mit dem Humanmedizin-Studium beginnen. Für alle, deren Budget für einen Rechtsstreit nicht ausreicht oder die nicht klagen möchten, können folgende Alternativen sinnvoll sein:

  • Über die Warteliste werden jedes Semester 20% der Plätze belegt. Während dieser Zeit kann man eine Ausbildung (z.B. als Rettungssanitäter oder Krankenpfleger) absolvieren. Eine Immatrikulation in einen anderen Studiengang ist nicht möglich.
  • Ein Auslandsstudium ist zwar in den meisten Ländern mit Studiengebühren verbunden, allerdings ist ein vergleichbar schneller Start der akademischen Ausbildung möglich. Die NCs liegen wesentlich höher und die Wartezeiten sind grundsätzlich kürzer.
  • Fachverwandte Studiengänge (Tiermedizin, Pharmazie, Psychologie, …) sind ebenfalls zulassungsbeschränkt, allerdings ist dort die Nachfrage pro freiem Studienplatz etwas geringer.

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