Wenn Schlafen zur Gefahr wird: Narkolepsie

Von der Schlafsucht oder der sogenannten Narkolepsie hat fast jeder schon mal gehört, doch was es genau bedeutet, wissen häufig nur die Betroffene und die nächsten Verwandten. In Deutschland leiden Schätzungen zufolge ca. 40.000 Menschen unter dieser Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, wovon aber nur 4000 diagnostiziert sind.  Die Erkrankung hat zwei Erkrankungsgipfel in der zweiten und der vierten Lebensdekade.

Sowohl genetische als auch Umweltfaktoren spielen für die Pathogenese eine wichtige Rolle, was zum einen durch eine hohe Assoziation zu bestimmten HLA-Antigenen und zum anderen durch die niedrige Konkordanz einigiger Zwillinge (lediglich 25-30 Prozent) belegt ist.

Lästige Tagesmüdgkeit und Sekundenschlaf prägen den Leidensdruck bei Narkolepsie.Haupt- und fast immer auch das erste Symptom ist die exzessive Tagesschläfrigkeit, die durch wiederholten Sekundenschlaf gekennzeichnet ist und dadurch alleine schon einen sehr hohen Leidensdruck bewirkt. Gegen diesen plötzlich auftretenden Schlaf können sich die Betreffenden nicht wehren, im besten Fall kündigt er sich aber durch Müdigkeit an. Die Gefahr von Schlafattacken besteht dabei jederzeit und ist natürlich vor allem beim Autofahren ein großes Problem, weshalb die Betroffenen auch nicht alleine in den Straßenverkehr gelassen werden.

Als zweithäufigstes Symptom tritt die Kataplexie im Verlauf hinzu, die durch eine kurze muskuläre Atonie ohne Bewusstseinsstörung charakterisiert ist. Sie betrifft meist die Muskulatur im Gesicht oder der Schultern, kann aber auch zu Stürzen führen. Kataleptische Attacken werden meist durch Emotionen wie zum Beispiel Lachen, Überraschung, Freude, Angst oder Ärger getriggert werden. Außerdem kommt es häufig zu fragmentiertem Nachtschlaf mit vermehrten Wachphasen und verkürztem Eintritt in den REM-Schlaf.

Differentialdiagnostisch sollten natürlich vor allem Schlafdeprivationen durch nächtliches Arbeiten oder auch die Einnahme von sedierenden Medikamenten und psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Steht die Diagnose der Narkolepsie fest, können therapeutisch zur Verminderung der Tagesmüdigkeit gezielt kurze Schlafepisoden von maximal 30 Minuten Dauer in den Tagesablauf eingebaut werden. Reicht das nicht aus, so ist bei ausschließlicher Tagesmüdigkeit Modafinil (Alpha1-Adrenorezeptor-Agonist) das Mittel der Wahl. Alternativ kann auch Methylphenidat eingesetzt werden. Alternativ wirken bei den Betroffen oftmals auch tetra- und trizyklische sowie andere Antidepressiva gut gegen die Kataplexie und eventuelle Schlaflähmungen (Unvermögen, sich im wachen Zustand zu bewegen oder zu sprechen).

Bild: graur razvan ionut / FreeDigitalPhotos.net

One Reply to “Wenn Schlafen zur Gefahr wird: Narkolepsie”

  1. Danke fürs Teilen. Ich studiere Medizin allerdings erst im 2. Jahr! Was mich wundert ist, dass nur 4000 Fälle diagnostiziert wurden aber man von 40000 Fällen ausgeht! Wer ständig müde ist und abgeschlagen wirkt der wird wohl früher oder später zum Arzt gehen! Gibt es hier Probleme seitens des praktischen Arztes diese Krankheit zu diagnostizieren oder wo liegen die Probleme? Danke, Heinrich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*