Rezension: „medi+tricks Kopfkino“

Nachdem die Merkbilder und -filme schon vielen visuell lernenden Medizinstudenten auf die Sprünge helfen konnten, gibt es die Eselsbrücken aus dem Hause noahmed nun auch im Podcast-Format. Das Online-Angebot nennt sich „medi+tricks Kopfkino“ und soll vor allem den Studenten der klinischen Semester beim Lernen helfen.

Eselsbrücken zum Anhören und Nachvollziehen

medi+tricks KopfkinoAuf der Kopfkino-Seite kann man bereits ganz ohne Anmeldung einen Eindruck bekommen, was den User nach der Registrierung erwartet, denn die Podcasts der trizyklischen Antidepressiva vom Amitryptylin-Typ lassen sich direkt auf der Startseite anhören. Weitere Dateien findet man dann im internen Bereich der Seite. Derzeit gibt es dort Podcasts zu den pharmakologischen Bereichen „Antidementiva“ (Alzheimer-Demenz, inkl. Einführung zur Demenz, Namen, NW, Grundlagen), „Antidepressiva“ (Tri- und Tetrazyklika, SSRI, SSNRI, SNRI und Mao-Inhibitoren.) und „Neuroleptika“ (Namen, Indikationen und Nebenwirkungen). Ein Übersichtsbild der einzelnen Kapitel hilft ebenfalls beim Verständnisprozess.

Podcasts bequem auf dem Smartphone anhören

Jedes Themengebiet besteht aus weiteren Unterkapiteln, die dann maximal 3 Minuten lang sind. Dabei wird immer auch besonderen Wert gelegt auf die Verknüpfung der Lerninhalte mit den Eselsbrücken, die fast immer durch passende Soundeffekte verdeutlicht werden. Preislich bewegt sich das Angebot von medi+tricks Kopfkino noch auf einem basalen Unkostenniveau: Das Antidepressiva-Podcast-Paket bekommt man zur Zeit als Willkommenspaket noch umsonst, die Neuroleptika-Dateien kosten 4,90 Euro und für 1,90 Euro bekommt man Zugang zu den Antidementiva-Kapiteln. Die Podcasts sind nach der Zahlung, die man übrigens sowohl per PayPal oder per Kreditkarte vornehmen kann, dann für 180 Tage auf dem User-Account verfügbar und auch per Smartphone oder Tablet im Browser ohne Probleme abzurufen.

Weitere pharmakologische Themen sind in Planung

Ganz neu ist die Idee mit den Podcasts zum Lernen nicht und so gibt es immer mehr, die sich zum Lernen auch gerne mal die Kopfhörer aufsetzen, um sich bestimmte Inhalte anzuhören. Allerdings gab es bisher noch keine Audiodateien, bei denen so viel Wert auf die einprägende Verknüpfung mit Eselsbrücken gelegt wurde. Die Kapitel der Pharmakologie werden in der nächsten Zeit sukzessive erweitert, sodass man sich als User bald mehr als die derzeit drei Themenkomplexe anhören kann. Für alle, die gerade die schier endlosen Weiten der Pharmakologie beackern oder sich bereits zu den auditiv lernenden Studenten zählen, lohnt sich das vorbeischauen auf der Kopfkino-Website in jedem Fall.

Fachvorstellung: Psychiatrie und Psychosomatik

Psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungen zielen auf die Therapie von psychischen Störungen abDas Fach Psychiatrie und Psychotherapie umfasst die Diagnostik, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen sowie deren Erforschung und Lehre. Den Mittelpunkt des Fachs bilden Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei denen eine psychische Symptomatik im Vordergrund der Störung steht. Im Gegensatz dazu befasst sich das Fach der Neurologie mit der Diagnostik, Therapie und Prävention organischer Erkrankungen des zentralen, peripheren oder vegetativen Nervensystems, bei denen keine psychische Symptomatik im Vordergrund steht. Früher waren beide Fächer im Fach Nervenheilkunde vereint, heute sind die Facharztweiterbildungen bis auf je ein Jahr verpflichtende Weiterbildung im jeweils anderen Fach getrennt.

Das Fach Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist in Deutschland, nicht aber international, ein eigenes Fach. Es fokussiert in seinem Kern insbesondere auf psychische Faktoren bei körperlichen Erkrankungen (zum Beispiel Psychoonkologie, Essstörungen etc.), hat sich in Deutschland aber häufig dem Behandlungsspektrum der Psychiatrie und Psychotherapie angenähert, sodass die Fächergrenzen unscharf geworden sind.

In der langen Geschichte der Psychiatrie gab es immer wieder Phasen, in denen (häufig aus ideologischen Gründen) entweder biologische, psychologische oder soziale Ursachen psychischer Erkrankungen in den Vordergrund des Forschungsinteresses gerückt wurden. So entstanden Forschungs- und Therapierichtungen wie „Sozialpsychiatrie“ oder „biologische Psychiatrie“, deren Vertreter sich gegenseitig eindimensionale Sichtweisen psychischer Erkrankungen vorwarfen. Heute wissen wir, dass psychologische, neurobiologische / somatische und soziale Faktoren – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – bei der Entstehung und Aufrechterhaltung aller psychischen Erkrankungen beteiligt sind. Daher sollten psychisch erkrankte Menschen immer multidimensional betrachtet und therapiert werden. Gerade diese multidimensionale Betrachtungsweise des Patienten macht die Psychiatrie für viele zu einem der spannendsten Fächer der Medizin, da es nicht mehr so oft in der Medizin vorkommt, dass der Mensch an der Schnittstelle zwischen Somatik und Psyche in seinen sozialen, psychologischen und biologischen Dimensionen ganzheitlich gesehen und verstanden wird. Praxen auf diesem Gebiet gibt es zahlreiche.

Neben der Pharmakotherapie hat auch die Gesprächstherapie eine feste Größe in der Behandlung psychischer ErkrankungenDas Fach Psychiatrie und Psychotherapie hat immer noch mit starken Vorurteilen zu kämpfen. So meinen zum Beispiel viele, die sich erstmals mit diesem Fach beschäftigen, es wäre im Gegensatz zu Fächern wie Innere Medizin und Chirurgie nicht so wichtig, es wären viel weniger Menschen betroffen, Diagnosen könnten nicht valide gestellt werden und die Therapie wäre hauptsächlich eine beruhigende ohne kausale Hilfe. In Wirklichkeit gehören gerade psychische Krankheitsbilder aber zu den Erkrankungen, die unter allen (körperlichen und psychischen) Erkrankungen am häufigsten zu chronischem Leid führen. Wer schon mal ein Praktikum in einer Allgemeinarztpraxis absolviert hat, weiß, dass dort fast jeder zweite Patient eine psychiatrisch zu behandelnde Erkrankung mit sich bringt. Phobien, somatoforme Störungen und Depression gehören dabei zu den häufigsten Krankheitsbildern. Dabei haben sich die Therapiemöglichkeiten psychiatrischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten dramatisch verbessert, wofür neben neuen Medikamentenentwicklungen insbesondere störungsorientierte Psychotherapieverfahren verantwortlich sind. Häufig sind kombinierte Verfahren aus Psycho- und Pharmakotherapie am besten wirksam. Sowohl die Facharztausbildung für Psychiatrie als auch die für Psychosomatik dauert im Durchschnitt ungefähr fünf Jahre.

Weiter Informationen zur Psychiatrie und Psychotherapie gibt es auch in den von uns bereits rezensierten Lehrbüchern zu diesem Thema.

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