Cannabis und Cannabinoide als Arzneimittel

In den letzten Jahren nimmt das Bewusstsein und die Aufgeschlossenheit gegenüber hanfhaltigen Arzneimitteln in der Bevölkerung immer weiter zu. Dabei ist der Einsatz von Cannabis in der Medizin nicht neu, sondern wurde bereits in chinesischen Aufzeichnungen aus dem 2. und 3. Jahrhundert beschrieben. Doch wofür eignet sich diese Pflanze eigentlich und wie sieht es mit der Studienlage aus?

Beim Thema Hanf denken viele Menschen vor allem an die Kifferkultur und Experimente im Jugendalter mit dieser weichen Droge. Mitunter dient Hanf und Haschisch oft auch als Einstiegsdroge auf dem Weg zu härteren Stoffen, wodurch der psychische und körperliche Weg in die Abhängigkeit gepflastert wird. Dabei gibt es heutzutage viele Therapieansätze, die auf den in Hanf enthaltenen Wirkstoffen fußen, was zur Legalisierung einiger Arzneimittel in vielen Ländern geführt hat.

In immer mehr Ländern wird Hanf in der Medizin eingesetzt.THC und Cannabidiol wurden als besonders potente Inhaltsstoffe des Hanfs identifiziert und werden für medizinische Stoffe meistens synthetisch hergestellt. In Österreich ist Cannabis ausschließlich als verschreibungsfähiges Medikament zugelassen, wenn es als Fertigarzneimittel vorliegt. In Deutschland hingegen sind Cannabisblüten und -extrakte auch dann legal, wenn sie aus kontrolliertem staatlichen Anbau stammen. In der Schweiz ist der Hanfanbau für medizinische Zwecke mit einem THC-Gehalt von bis zu einem Prozent erlaubt. Noch liberaler geht es mittlerweile in Belgien, Niederlande, Spanien, Italien, Finnland, Portugal, Tschechien, Israel, Uruguay, Kanada, Großbritannien, Neuseeland, Griechenland, Polen, Dänemark, Paraguay, Peru, Lesotho, Puerto Rico, Luxemburg und Simbabwe zu. In den USA haben 30 von 50 Bundestaaten den medizinischen Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden erlaubt.

Aktuell sind weltweit 4 verschiedene Wirkstoffe von Hanf in der Medizin bekannt und in den oben genannten Ländern (teilweise) erlaubt. Nabiximols ist dabei der unumstrittenste Wirkstoff und ist auch in Deutschland für den Einsatz gegen Spastik bei Multipler Sklerose, neuropathische Schmerzen und als analgetische Zusatztherapie bei nur schwer behandelbaren Tumorschmerzen zugelassen. Auch Nabilon ist in Deutschland gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie verschreibungsfähig. Die beiden weiteren Wirkstoffe Dronabinol und Cannabidiol sind in den USA ebenfalls gegen Übelkeit bei Chemotherapie einzusetzen und sollen ebenfalls bei Anorexie bei HIV und gegen verschiedene Arten von Epilepsie helfen. Weitere Anwendungsbereich der Inhaltsstoffe der Hanfpflanze befinden sich aktuell noch in der Erprobungsphase.

Auch in Tablettenform können Cannabinoide bei vielen Krankheiten helfen.Tierversuche weisen bereits darauf hin, dass Cannabis die Entwicklung von Artherosklerose positiv beeinflussen könnte, wenn es per oral eingenommen und nicht inhaliert wird. Die Wirksamkeit von Cannabinoiden im Rahmen der Behandlung von Epilepsie ist leider noch nicht abschließend geklärt. Dafür fehlen noch wichtige Ergebnisse, da die Patienten in entsprechenden Studien meistens eine kombinierte Therapie mit Antiepilektika erhalten. Auch zum Einsatz gegen posttraumatische Belastungsstörungen könnte Cannabis dienen. Zumindest legen das die Erfahrungsberichte amerikanischer Kriegsveteranen nahe, sodass daran seit 2016 intensiv geforscht wird. Zu den weiteren Anwendungsgebieten, die diskutiert werden, jedoch ebenfalls noch nicht studienstechnisch untermauert sind, gehören: Schlafstörungen, Angsstörungen, ADHS, bipolare Störungen, Depression, Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Neben der vielversprechenden Einsatzmöglichkeiten der Hanfpflanze sind, wie bei jedem anderen Arzneimittel, auch Nebenwirkungen bekannt. Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Herzrasen, Hypotonie, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen oder gerötete Augen gehören zu den milden Nebenwirkungen und hängen natürlich auch mit der eingenommenen Dosis und der Anwendungsdauer zusammen. Außerdem werden immer wieder psychische Nebenwirkungen wie die Begünstigung schizophrener Episoden diskutiert. Für die Betroffenen bietet die Hanfpflanze als mögliche neue Therapie weiterhin Hoffnung.

Bilder: pixabay.com

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