Rezension: „Anästhesie pocket“

Anästhesie pocketMedizinbücher sind normalerweise dick und schwer: Umso beeindruckender also, wenn sich jemand an einer Kurzversion eines Faches versucht. „Anästhesie pocket“ ist für die (ohnehin meist schon sehr volle) OP-Kasak-Tasche des Anästhesisten konzipiert und deshalb besonders klein und handlich gestaltet.

Zielgruppe:

Dieses Büchlein eignet sich gut für Anästhesie-Assistenzärzte in den ersten Lehrjahren. Für Studenten ist es zu praxisorientiert, um die Grundlagen der Anästhesie zu vermitteln.

Aufbau / Didaktik:

„Anästhesie pocket“ ist in 13 Kapitel aufgeteilt, die anhand von grünen Reitern am rechten Rand auch ohne Inhaltsverzeichnis schnell zu unterscheiden sind. Auf 231 Seiten finden sich stichpunktartig angeordnete Informationen, häufig auch in tabellarischer Form, als Schaubild oder als Diagramm. Die Schrift ist sehr klein und oft sind die Seiten gedrängt voll, was mit Sicherheit an dem Ehrgeiz der Autoren liegt, das Buch als möglichst vollständigen Praxisbegleiter zu präsentieren.
Die Flussdiagramme sind dafür sehr übersichtlich gestaltet und insbesondere die vielen Abbildungen (z.B. verschiedene Kapnometrie- oder arterielle Druck-Kurven mit Erklärungen) werden den hilfesuchenden Assistenten dankbar stimmen. Das farbige Layout ist für das Auge sehr angenehm und lockert insbesondere die textlastigen Seiten etwas auf.

Inhalt:

Wie schon erwähnt, wird ein Student das Buch vermutlich wieder zur Seite legen, da das Buch klar als Hilfestellung für den anästhesiologischen Alltag gedacht ist. Erläuterungen zu Grundlagen des Faches sind nicht Ziel des Büchleins im Kitteltaschen-Format. Es werden die häufigsten Not- und Zwischenfälle mithilfe von Flussdiagrammen behandelt, Prämedikationsvisite und Narkoseführung erläutert, sowie das postoperative Management und die Schmerztherapie. Zudem findet sich ein sehr ausführliches Kapitel zur Anästhesie bei speziellen Eingriffen, welches gerade für den jungen Weiterbildungsassistenten hilfreich ist, da stichpunktartig die wichtigsten Informationen zu einer ganzen Reihe von Eingriffen aufgeführt sind. Ein ganzes Kapitel ist „Blut und Blutprodukten“ gewidmet – mit Sicherheit sehr sinnvoll, da es gerade in diesem Gebiet der Anästhesie schnell zu Fehlern kommen kann. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den gängigen Medikamenten in der Anästhesie. Unserer Meinung nach hätte man dieses Kapitel auslassen können, da jede Klinik unterschiedliche Standards hat, sich die Medikamentenzulassungen und Empfehlungen oft ändern und die Gestaltung dieses Kapitels recht unübersichtlich ist.

Fazit:

Ein handliches und meist übersichtlich gestaltetes Buch im Kitteltaschenformat, das sich gut zum kurzen Nachschlagen während des anästhesiologischen Alltags eignet. Die Zielgruppe der jungen Anästhesisten in Weiterbildung wird die praxisorientierten Kapitel schätzen. Verbesserungsmöglichkeiten bieten sich bei sehr textlastigen Passagen und beim unübersichtlichen letzten Kapitel „Medikamente“. Insgesamt aber lohnt sich der Kauf des Büchleins, da durch die prägnante Informationsaufbereitung ein schnelles Nachlesen auch während der Narkoseführung gut möglich ist.

Kurzinfo:

Autor(en): Marek Humpich, Christian Byhahn, Rolf Kirchner, Roswitha Jehle
Verlag: Börm Bruckmeier
Auflage: 3.
Erscheinungsdatum: 04 / 2018
Seitenanzahl: 240
Abbildungen:
Preis: 14,99 €

Anästhesie pocket

7.6

Inhalt

8.0/10

Verständlichkeit

8.0/10

Übersichtlichkeit

6.0/10

Layout

7.0/10

Preis-Leistungs-Verhältnis

9.0/10

Positiv

  • Sehr handlich
  • Praxisorientiert und prägnant geschrieben
  • Gute Abbildungen und Flussdiagramme

Negativ

  • Unübersichtliches und überflüssiges Medikamentenkapitel
  • Zum Teil recht textlastige Seiten

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